"60 Minuten mit Markus"

Zu Besuch bei Familie Windhorst in Werschenrege

Ich habe mich sehr über die Einladung von Monika, Dörte, Jürgen und Pierre auf den Hof der Familie Windhorst in Werschenrege gefreut. 

Im Gespräch bei leckeren Snacks und einer kühlen Erfrischung habe ich erfahren, dass der Haupterwerb der Familie die Landwirtschaft ist. In Summe umfassen den Wirkungskreis des Betriebes rund 102 Hektar Fläche, die bewirtschaftet werden will. Das sind unglaubliche gut 1 Millionen Quadratmeter Fläche. Diese sind rund um Ritterhude zu finden.

Vor 5 Jahren hat der Betrieb der Familie Windhorst an einem Wettbewerb der Landesvereinigung Milchland Niedersachsen teilgenommen und war von 90 Betrieben unter den Top Ten. Hier wurden Themen wie "verantwortungsvolle Betriebsführung", "vorbildlicher Tier- und Umweltschutz" als auch "hohe hygienische Standards" bewertet. Eine echte Auszeichnung, die stolz am Haus der Familie hängt.

Milchpreise

Ich habe gelernt, dass nicht die Landwirte den Preis für die Milch festlegen, sondern dieser über das Verhältnis von Angebot und Nachfrage durch Verträge zwischen Molkereien und Landwirten bestimmt wird. Am Ende bestimmt den Preis aber der Handel (also die Konzerne, bei denen wír einkaufen, mit den Molkereien und die Landwirte erhalten das, was übrig bleibt). Viele Molkereien sind Genossenschaften, an denen die Bauern beteiligt sind. Der Hof der Familie Windhorst arbeitet mit der Molkerei Ammerland zusammen. 

Lobby der Landwirte - Brückensanierung in Ritterhude

Dörte Windhorst, die den Betrieb, der bereits im 16 Jahrhundert urkundlich erwähnt wurde, führt den Betrieb in die nächste Generation. Sie ist etwas traurig, dass die Landwirtschaft in der Gemeinde überhaupt keine Bedeutung hat, dass man die Betriebe nicht sieht und die Leistung der Landwirte anerkennt. Immerhin sind die Höfe Arbeitgeber und Wirtschaftsbetriebe, die Ihre Steuern an die Gemeinde abführen. 

Zuletzt hat man die Landwirtschaft mit der Sperrung der Schlossbrücke durch Neubau sowie die Sperrung der Dammbrücke durch Gewichtsbeschränkung an der Durchfahrt durch Ritterhude ausgeschlossen. Die Begründung, man können doch über die Brücke bei Tietjens Hütte fahren, hat viele Landwirte schlichtweg entsetzt. Ihr Vorwurf: Man hätte das Thema vorher mit den Landwirten aufnehmen müssen, diskutieren müssen. Sie kann nicht verstehen, warum die Landwirte nie angehört wurden bzw. warum die angeschlagene Dammbrücke nicht vor der Schlossbrücke saniert wurde oder min. so ertüchtigt wurde, dass schweres Gerät sie befahren hätte können.

Hier wurden ganze Existenzen bedroht, da die Umwege sehr viel Geld gekostet haben. Auch haben die Fuhrbetriebe, die als Dienstleister für die Landwirte arbeiten, gar nicht genug Gerät - Stichwort "Häckselkolonne" - um die Umwege zeitlich einzuholen. Somit gab es Stillstände bei den Mähgeräten, was erneut zu Problemen und Kosten geführt hat. In Summe war man hier sehr unzufrieden mit der Kommunikation und auch jetzt, nachdem die Sperrung der Schlossbrücke vorüber ist, hat man nicht das Gefühl, dass das Gespräch gesucht wird. Eine in einer Informationsveranstaltung zum Brückenneubau genannte Ausgleichszahlung für die betroffenen Betriebe ist nie wieder zur Sprache gekommen.

Ich bin der Meinung, dass ein Landwirtschaftsforum - eine Gesprächsrunde mit den landwirtschaftlichen Betrieben - hier eine gute Lösung sein kann. Es muss die Möglichkeit des Austausches geben. Initiiert von der Verwaltungsspitze. Es werden immer weniger Betriebe, sagt Dörte, obwohl es "der schönste Job der Welt ist". Aber auch aufgrund der schwachen Lobby, der hohen Verantwortung und des extrem starken persönlichen Einsatzes wollen immer weniger Menschen diese Last tragen.

B74 neu

Wir sind dann auf das Thema B 74 neu gekommen und ich war erstaunt mal eine ganz andere Sichtweise auf die derzeitigen Planungen zu bekommen. Der aktuelle Stand der B 74 neu - da waren wir uns einig - sei überhaupt nicht zeitgemäß und in seiner Dimension nicht sinnvoll für Ritterhude. Die West-Variante macht überhaupt keinen Sinn und die Ost-Variante liegt an der - aus Sicht der Familie Windhorst - völlig falschen Stelle.

Wie bereits weiter oben berichtet, bewirtschaftet der Betrieb 102 Hektar Land rund um Ritterhude. Was ich nicht wusste: Sogenanntes Ackerland - also Fläche, die nicht nur von Gras bewachsen ist - entsprechend echte Nutzfläche ist rar in und um Ritterhude. Der aktuelle Planungsstand führt genau über solche Flächen. Außerdem geht der Routenverlauf durch geschützte Bereiche und wurde ohne auf die Gemarkung der Flächen zu achten, also die Flächenränder, scheinbar willkürlich auf die Wiese geplant. Aus Sicht von Pierre gibt es eine alte Planung, deren Verlauf der Strecke viel sinnvoller wäre. Somit die Meinung wenn eine Ortsumgehung sein muss, dann doch bitte kleiner dimensioniert und an anderer Stelle.

Warum sich keiner der Planer mit den betroffenen Landbesitzern auseinandergesetzt hat, ist Familie Windhorst schleierhaft. Hier gibt es echten Nachholbedarf und den starken Wunsch auf einen ernsthaften Austausch. Wer wenn nicht die Landwirte kennen Ihr Land?

Gewerbeausbau

Zuletzt sind wir kurz auf das Thema Wirtschaft und Gewerbe gekommen. Und auch hier habe ich eine neue Sichtweise kennengelernt, die mich nachdenklich gestimmt hat.

Fläche ist für landwirtschaftliche Betriebe ein sehr hohes Gut. Und freie Fläche im Ritterhuder Gemeindegebiet ist für Landwirte knapp. Dörte sieht keine Notwendigkeit, weitere Flächen für Gewerbe zu schaffen. Erst sollten ungenutzte Flächen bebaut bzw. bewirtschaftet werden. Ich habe ihr dazu meine Meinung kundgetan und festgehalten, dass wir als Gemeinde für nicht genutzte Immobilien nicht tätig werden können, da diese nicht uns gehören. Es ist mir tatsächlich ein Dorn im Auge, dass es solche nicht genutzten Flächen gibt. Dennoch gibt es Betriebe, die Schlange stehen und Flächen für z. B. Erweiterung oder Vergrößerung brauchen. 

Es hat mir wieder gezeigt, dass richtig gute Lösungen nur dann zu finden sind, wenn man mit allen Beteiligten offene Gespräche führt und manchmal vielleicht Optionen aus guten Gründen aufgeben muss, wenn diese nachweislich nicht sinnvoll sind.

Ich möchte mich noch einmal recht herzlich für den interessanten und wertvollen Austausch bedanken. Mein Versprechen, dass ich dafür sorge, dass die Landwirtschaft wieder ein echtes Gehör in der Gemeinde hat, habe ich bereits bei der Veranstaltung im Dorfgemeinschaftshaus Lesumstotel/ Werschenrege abgegeben.

Ich bin sehr froh, dass es in direkter Nähe noch Betriebe gibt, wo Kinder lernen können, wo die Milch herkommt und kann nur meinen Respekt an alle Landwirte aussprechen, die diese wichtige Arbeit trotz aller Widrigkeiten übernehmen.

 

 

Und ein letzter Appell an alle, die dies lesen: Bitte geht am Sonntag, 13.09.2026 zur Wahl, nutzt Euer Recht und wahrt Eure Pflicht und gebt Eure Stimme ab. 

Euer Markus

 

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